Naturerleben in unserem Kindergarten

a. Bedeutung und Stellenwert in unserem Kindergarten
Für die ganzheitliche Entwicklung des Kindes (motorisch, sensorisch, emotional) bietet die Natur den Kindern diesen Raum. Denn jede motorische Tätigkeit sowie die Verarbeitung von Sinneseindrücken schlägt sich
beim heranwachsenden Kind in neurologischen Strukturen nieder. Hier muss besonders der Gleichgewichtssinn heraus gehoben werden, denn er spielt in der Hirnreifung als das alles vereinende Bezugssystem eine entscheidende Rolle. Die Hirnentwicklung vollzieht sich in verschiedene Phasen. Lesen, Schreiben, Rechen und abstraktes Denken stellen die Endstufe der kindlichen Hirnentwicklung dar. Diese kann nur so gut sein, wie es sich vorher optimal entwickeln konnte.
Auf Bäume klettern oder balancieren auf einem Baumstamm gibt nicht nur Selbstvertrauen und schult das Gleichgewicht: Es schafft auch die Voraussetzung für dreidimensionales Denken, das man etwa für Mathe
braucht.“ (Prof. Gerald Hüther, Neurobiologe)

Deshalb gehört zu unserem Konzept, dass die 4-5-jährigen Kinder das ganze Jahr über einmal in der Woche einen Kindergartentag im Wald erleben, den „Waldtag“.

b. Die Ziele vom Wald Tag

Kinder brauchen Freiräume und Herausforderungen um sich und ihren Körper ausreichend zu erfahren. Die Natur bietet natürliche, differenzierte, lustvolle Bewegungsanlässe, die von den Kindern gern angenommen werden. Laufen, Springen, Klettern, Balancieren und vieles mehr ist im Wald möglich. Kinder können sich körperlich erproben, überwinden Hindernisse und werden so in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt.

In der Natur werden alle Sinne in vielfältiger Weise geschult und eine ganzheitliche Wahrnehmung gefördert. Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Farben, Töne, Gerüche und Stimmungen. Die Schritte im Laub sind hörbar.
Der Waldboden dampft nach einem Sommerregen. Der Wind und das Lichtspiel in den Blättern, Raureif an den Gräsern und das Atmen frischer, kühler Luft, all das prägt sich tief in das Gedächtnis der Kinder ein.

Viele Kinder fühlen sich heute in der Natur nicht mehr zu Hause. Sie kennen kaum noch abenteuerliches Spielen in der Natur, das intensive Erleben des Wechsels der Jahreszeiten mit all ihren Erscheinungen, das Wachsen und Vergehen. Direkte Erfahrungen mit Tieren und Pflanzen, das bewusste Wahrnehmen von Stille und Naturgeräuschen sowie eine Vertrautheit mit unzähligen Phänomenen der Natur sind vielen Kindern und Erwachsenen heute fremd geworden. Sie haben die Chance sich mit dem Naturkreislauf zu verbinden. Warum ist der Frühling bunt, duftend, laut, voller Bewegung, der Winter hingegen still, starr und arm an Farben und Gerüchen? Wo sind die Vögel, Insekten und anderen Tiere im Winter? Von wem stammen die
Spuren im Schnee? Wer hat das Blatt angefressen? Nur im direkten Zugang zur Natur, im unmittelbaren sinnlichen Erleben, wird dieses wahrgenommen und begriffen und der achtsame Umgang mit ihr erlernt.

Durch das Spiel mit Naturmaterialien haben die Kinder die Möglichkeit ihre kreativen Kräfte einzusetzen und zu entfalten. Aus einem Ast wird der Bohrer, mit dem die Waldhöhle ausgebessert wird, ein umgekippter
Baum dient als Ladentisch. Tannenzapfen, Blätter, Rindenstücke, Federn werden zu Lebensmitteln, die im Laden angeboten werden. Alles ist möglich, es gibt keine Einschränkungen durch vorgegebene Funktion.

Gemeinsame Erlebnisse stärken das Gruppengefühl und steigern so die Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe und Rücksichtnahme. Inder Gemeinschaft ist man mutiger, erkundet leichter verwunschene Wege und hilft sich gegenseitig bei Hindernissen und Herausforderungen.

Natur ist keine Schönwetter-Angelegenheit, sie ist nicht idyllisch und romantisch, sondern auch unbequem und fordernd. Sie ist das Leben selbst. Es gibt keinen Grund sie zu meiden, weil es regnet oder friert. Drei- bis
sechsjährige bewegen sich gerne und viel. Aus diesem Grund frieren sie auch viel weniger. Frische Luft ist gesund und wer sich viel an der frischen Luft aufhält stärkt sein Immunsystem.

c. Methoden


Das Verhalten der Kinder zur Natur wird durch die Erwachsenen geprägt, zu denen das Kind eine Beziehung hat.
Die Fachkräfte geben dem Kind durch ihre Vorbildfunktion eine wertvolle Orientierung im Umgang mit Pflanzen und Tieren. Sie unterstürzen die Kinder Interesse an ihnen zu entwickeln, neugierig auf sie zu sein.
Dabei steht aber an erster Stelle, dass die pädagogischen Fachkräfte den Kindern zu einer emotionalen Beziehung zur Natur verhelfen. So, dass die Kinder lustvoll Natur als Spielpartner erleben dürfen, dass sie Räume zum Experimentieren und Erfinden haben.